Das „System Tönnies“

 

Die Politik ist schwer schockiert

Das hätte keiner je gedacht

Dass so was hier bei uns passiert

Dass einer so was Schlimmes macht

 

Sie tut, als täte es ihr leid

(Hier geht es auch um ihren Ruf!)

Wiewohl sie schon geraume Zeit

Für derlei Tun die Basis schuf

 

Gesetze haben dies erlaubt -

Weil die Moral nur wenig zählt

Wo man dem Mensch die Würde raubt

Und Tiere bis zum Tode quält

 

PS:

Wie steht es um die Aufsichtspflicht?

Denn: Manches ist ja doch verboten

Ach so - Kontrollen gab es nicht?

Das gibt in Fleiß ganz schlechte Noten ...

06/20

 


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Kommentare: 34
  • #1

    Mary (Montag, 29 Juni 2020 10:43)

    Passend zu Tünns Versen:

    "Und es werden nicht nur Tiere aus Deutschland geschlachtet. "Wir haben in den letzten Jahren einen Schlachttiertourismus aufgebaut", sagt Agrarökonom Hamm. "Lebende Schweine aus den Niederlanden und zum Teil auch aus Dänemark werden zum Schlachten über die Grenze gebracht, weil die Schlachthöfe hierzulande billiger arbeiten, unter Bedingungen, die, wie die Werkverträge, im Ausland teils bereits verboten sind."
    https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-fleischfabriken-in-der-corona-krise-schlachtbank-europas-a-bc67c942-27ce-4668-8908-ecde4af86619

  • #2

    Mattes (Montag, 29 Juni 2020 11:08)

    Mein Kommentar aus dem "Omnivoren" passt hier auch:

    "Das Leben eines typischen Tönnies-Schweines
    =============================

    Die Tierrechtlerin Friederike Schmitz beschreibt das Leben eines typischen Tönnies-Schweines: Von seiner Geburt bis zur Schlachtung

    Das Leben des Schweins beginnt in der Schweinezuchtanlage. Dort werden die Sauen in Deutschland häufig zur Besamung in Kastenständen gehalten. Bis zu vier Wochen verbringen sie dort, ohne sich bewegen zu können. Dann kommen sie eine Weile in Gruppenhaltung und zur Geburt wieder in einen körpergroßen Käfig. Dort werden die Ferkel geboren. In der Natur würde die Mutter jetzt ein Nest bauen, die Ferkel beschnuppern, ihnen zeigen, wo es essen gibt, sie aufziehen, wie es alle Säugetiere machen. Das alles ist dort nicht möglich.

    Den Schweinen werden dann die Ringelschwänze abgeschnitten. In den Mastanlagen würde sie sich die sonst später gegenseitig abfressen: aus Stress und Langeweile. Außerdem werden den männlichen Ferkeln ohne Betäubung die Hoden herausgeschnitten. Die Schweine entwickeln sonst in ihrer Pubertät - also mit circa einem halben Jahr - eine bestimmten Ebergeruch. Solches Fleisch lässt sich nicht gut verkaufen.

    Nach drei bis vier Wochen werden die Ferkel dann der Mutter weggenommen und kommen in einen Aufzuchtstall. Sie ziehen dann mehrmals um - entweder innerhalb eines Betriebes, oft aber auch zwischen mehreren Betrieben. Wie viel Platz sie haben, richtet sich nach ihrem Gewicht: Unter 50 kg haben sie 0,5 Quadratmeter Platz, das steigert sich bis 0,75 Quadratmeter pro Schwein mit 110 kg. Das ist dann auch das Schlachtgewicht.

    In der Mastanlage haben sie unter sich einen Spaltenboden, der Kot und Urin durchlassen soll. Das klappt natürlich nur bedingt. Dort können sie eigentlich nichts machen, was sie unter natürlichen Umständen gern machen würden. Schweine sind lebhafte, neugierige Tiere. Zur Nahrungssuche wühlen sie eigentlich im Boden. Das geht dort nicht.

    Zur Körperpflege und Abkühlung würden sie sich suhlen. Das können sie in der Mastanlage bestenfalls in den eigenen Exkrementen. Schweine rennen und erkunden gern die Gegend. Auch das ist unmöglich. In Deutschland ist es vorgeschrieben, ihnen Beschäftigungsmaterial zu bieten. Das ist häufig ein Holzklöppel an einer Metallkette. Auf dem kauen sie ein bisschen herum, verlieren aber schnell wieder das Interesse. Schweine sind eben auch recht schlaue Tiere. Für die ist es nicht so spannend, die ganze Zeit an einem Holzklotz herumzukauen.

    Ihrem normalen Sozialverhalten können sie natürlich auch nicht nachgehen. Auch Krankheiten und Verletzungen sind weit verbreitet. An den Spaltenböden verletzen sie sich die Klauen. Von den Kot- und Urindämpfen bekommen sie Lungenkrankheiten. Viele Tiere sind krank, obwohl sie nur ein halbes Jahr alt werden. Viele Schweine sterben lange, bevor sie geschlachtet werden. Deutschlandweit über tausend Schweine pro Tag verhungern oder verenden an unbehandelten Wunden.

    Die Übrigen werden nach sechs Monaten geschlachtet. Unter anderen Bedingungen können Schweine bis zu zehn Jahre alt werden. Die Betäubung geschieht entweder per Gas oder per Elektrozange. Beides bringt Leid mit sich. Bei Tönnies werden Gruppen von Schweinen in einem Aufzug in einen Bereich mit Kohlendioxid heruntergefahren.

    Die Schweine durchleben dort einen Todeskampf: Sie haben das Gefühl zu ersticken und schnappen nach Luft. Im Anschluss werden sie wieder nach oben gefahren. Dort werden sie an den Füßen aufgehängt und per Messerstich getötet. Wenn sie ausgeblutet sind, kommen sie in ein heißes Brühbad, wo die Borsten entfernt werden. Im Anschluss werden sie von Arbeiterinnen und Arbeitern zerlegt. So ergeht es 55 Millionen Schweinen pro Jahr in Deutschland.

    Es sei denn, das Schwein wird nicht richtig abgestochen und blutet so nicht rechtzeitig aus. Wenn die Betäubung nachlässt, wacht es dann zum Beispiel in dem heißen Brühbad wieder auf. Das betrifft nach Schätzungen etwa 500.000 Schweine pro Jahr. (Fabian Goldmann)"
    https://www.heise.de/tp/features/Das-Leben-eines-typischen-Toennies-Schweines-4796082.html

  • #3

    Günter (Mittwoch, 01 Juli 2020 16:45)

    Greenpeace-Aktion:

    "Krankes System Billigfleisch

    Das System Billigfleisch ist krank: Der Corona-Ausbruch bei Tönnies und anderen Schlachtbetrieben liefert erneut Belege für die verantwortungslose Ausbeutung von Arbeiter*innen, die Qual der Tiere, das leichtfertige Spiel mit unserer Gesundheit und die gefährlichen Folgen für die Umwelt.

    Die aktuellen Ereignisse hat unser geschäftsführender Vorstand Martin Kaiser zum Anlass genommen, sich im Namen von Greenpeace mit einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zu wenden. Dieser Brief wurde Frau Klöckner am 30. Juni 2020 vor Veröffentlichung per Email zugesandt.

    Die Ministerin und ihre Vorgänger*innen von der CDU/CSU haben jahrelang nötige Reformen verschleppt, blockiert und auf freiwillige Besserung der Branche gesetzt. So kann es nach der Corona-Krise nicht weitergehen!"

    Greenpeace bittet darum, den Brief zu unterschreiben. Also los:
    https://act.greenpeace.de/krankes-system-billigfleisch?utm_campaign=agriculture&utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_term=20200701-offenerbrieftext

  • #4

    Karola (Mittwoch, 01 Juli 2020 17:38)

    Heute ist der »Internationale Tag gegen Tiertransporte«. Die Albert-Schweitzer-Stiftung fordert auf:

    "Setzen Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen gegen tierquälerische Lebendtiertransporte in außereuropäische Länder.

    Wussten Sie, dass von Deutschland aus regelmäßig Tiere tausende Kilometer weit in Länder außerhalb Europas transportiert werden, nur um sie am Ende ihrer qualvollen Reise zu töten? Sowohl während des Transports als auch in den Zielländern werden die Tiere häufig schlecht versorgt oder gar misshandelt. Doch die Behörden in Niedersachsen und Brandenburg genehmigen trotz der seit langem bekannten Tierschutzverstöße immer noch zahlreiche Transporte in Tierschutz-Hochrisikoländer. Diese unsägliche Tierquälerei muss endlich ein Ende haben: Ihre Unterschrift ist ein wichtiges Signal an die zuständigen Politikerinnen der Bundesländer.
    (...)"
    https://albert-schweitzer-stiftung.de/helfen/petitionen/tiertransporte-in-aussereuropaeische-laender-stoppen?utm_source=pet-nl20-06&utm_medium=email&utm_campaign=pet-transporte

  • #5

    Heiner (Donnerstag, 02 Juli 2020 06:52)

    Dem stimme ich zu:

    "»Wir brauchen schnellstmöglich ein Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie und Regeln für die Unterbringung von Beschäftigten«, forderte jüngst DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will laut Kabinettsbeschluss ab 1. Januar 2021 Werkverträge in Schlachthöfen untersagen, spätestens. Skepsis bleibt angebracht. Nach Industrieangaben seien bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze im Kernbereich der Schlachtereien über Werkverträge vergeben, sagte Susanne Ferschl, Vize­chefin der Fraktion Die Linke im Bundestag, am Dienstag der Augsburger Allgemeinen (Onlineausgabe). Eine Industrie mit »kriminellen und mafiösen Strukturen«, sagte die Politikerin. Zuvor apostrophierte Ferschl den Tönnies-Konzern als »Teil des Schweinesystems«."

  • #6

    Heiner (Donnerstag, 02 Juli 2020 06:53)

    Sorry, habe die Quelle vergessen:
    https://www.jungewelt.de/artikel/381366.nahrungsmittelbranche-in-der-brd-mafi%C3%B6se-strukturen.html

  • #7

    Ludwig (Donnerstag, 02 Juli 2020 12:23)

    Ergänzung zu den Werkverträgen:

    "Es ist allgemein bekannt: Werkverträge wurden in das Arbeitsrecht durch die Hintertür eingeführt. Sie fristeten an sich im Bürgerlichen Gesetzbuch ein harmloses Dasein, solange sie sich nur auf Architekten, Handwerksbetriebe oder Gärtnereien bezogen: Wer ein „Werk“ verrichtete, hatte bestimmte Ansprüche an den „Werknehmer“. Das war seit dem Jahre 1900 so.

    Doch dann wurde am „Runden Tisch“ der in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern produzierten „herrschenden Meinung“ im Arbeitsrecht plötzlich der Scheinwerkvertrag hervorgezaubert.

    Nachdem der Leiharbeit sehr zum Leidwesen der Unternehmen vor allem durch EU-Richtlinien doch gewisse Grenzen gesetzt wurden, sann man auf einen Ausweg aus dem Dilemma. Und siehe da: Ganz ohne Gesetzgeber erfand man den Werkvertrag (oder Dienstvertrag) mit dem Subunternehmer, der im eigenen Betrieb bestimmte „Gewerke“ abdecken sollte, ohne dass es zum Einsatz von Leiharbeit kommen müsse. (...)"

    Interessante weitere Infos:
    https://arbeitsunrecht.de/werkvertraege-pandemische-verharmlosung-durch-herrschende-arbeitsrechtswissenschaft/

  • #8

    Jupp (Donnerstag, 02 Juli 2020 12:35)

    Privat kann besser als der Staat? Ich wusste gar nicht, dass Schlachthöfe früher in öffentlicher Hand waren.

    "Anfang der Siebzigerjahre gab es noch über hundert Großschlächtereien im Land (Baden-Württemberg, Jupp) in öffentlicher Trägerschaft, Anfang der Neunziger waren es noch 30.
    ...
    Mitte der Siebziger hatten schon mehr als 100 Städte bundesweit den Verkauf ihrer Schlachthöfe beschlossen. Etabliert sollten sich "dank moderner Kühl- und Transportsysteme in den ländlichen Erzeugergebieten immer mehr private und genossenschaftliche Versandschlachtereien, die ihre Rinder- und Schweinehälften schnell und preiswert in jeden Winkel der Bundesrepublik liefern können". Die kommunale Konkurrenz konnte nicht mithalten. Deren Auslastung brach zusammen, und private Anbieter schlachteten bereits zu Dumpingpreisen.
    ...
    Im Schweinemuseum werden diesem unheilvollen Trend ganze fünf Zeilen gewidmet: "1988 Privatisierung des Schlachthofes, Verkauf an die Stuttgarter Schlachthof GmbH. Symbolischer Preis: Eine Mark; 1992 Konkurs der Privatbetreiber. Übernahme des Areals durch die Stadt; 1993 Aufgabe des Schlachthofes. ..."
    https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/483/schweinerei-6845.html

  • #9

    Rita (Donnerstag, 02 Juli 2020 14:11)

    Das Drama geht weiter:

    "Tönnies-Mitarbeiter und Werkvertragsarbeiter – die Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Fleischproduktion setzt sich auch in der Quarantäne fort. Nach Angaben von Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) werden die Arbeiter der Fleischfabrik in ihrer häuslichen Quarantäne gut versorgt, die Mitarbeiter der Subunternehmer dagegen nicht.

    Fast 7000 Beschäftigte des Fleischkonzerns und ihre Angehörigen sind in Quarantäne. Marcus Stühlinger, Geschäftsführer der Tönnies-Logistiktochter Tevex, koordiniert die Versorgung der Tönnies-Mitarbeiter, die keine Verwandten oder Nachbarn haben, die ihnen helfen können. ...

    Bei den Mitarbeitern der Subunternehmen, die in Quarantäne sind, sieht es dagegen anders aus. „Das erleben unsere Teams, wenn sie die Wohnungen aufsuchen, um Abstriche zu nehmen”, sagt Kreis-Sprecher Jan Focken.

    Für die Versorgung der Rumänen, Bulgaren und Polen seien die zahlreichen Werkvertragsfirmen verantwortlich, aber das klappe nicht, sagt Landrat Adenauer: „Wir haben die Subunternehmer schon vergangene Woche aufgefordert, ihre Fürsorgepflicht wahrzunehmen. Deutliche Verbesserungen haben unsere Leute vor Ort aber nicht festgestellt.” (...)"
    https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Guetersloh/Rheda-Wiedenbrueck/4228194-Sven-Georg-Adenauer-CDU-kritisiert-den-Umgang-mit-den-Menschen-in-Quarantaene-Landrat-Versorgung-der-Toennies-Werkvertragsarbeiter-klappt-nicht

  • #10

    Franzl (Freitag, 03 Juli 2020 06:05)

    IM INTERVIEW: Ulrich Schneider

    "Nicht an der Staatsbürgerschaft der Erkrankten liegt es, sondern an den Verhältnissen: Der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands kritisiert, dass die „Aversion gegen Arme“ auch in der Corona-Krise zum Tragen kommt.
    ...
    Es zeigt sich, dass Menschen, die auf zu engem Raum leben, besonders von Corona betroffen sind. Es sind die Armen, bei denen Wohnungsnot herrscht und die oft in Berufen arbeiten, in denen man sich schlechter vor einer Infektion schützen kann. In der Fleischindustrie wird das besonders offensichtlich. Die Werkverträge gehen dort mit miserabler Bezahlung einher. Die Beschäftigten stehen dicht gedrängt am Fließband und leben in Unterkünften, in denen hygienische Mindeststandards nicht eingehalten werden können. Sammelunterkünfte sind in der Pandemie ein Gesundheitsrisiko, das war von Anfang an klar.
    ...
    * In den Schlachtbetrieben gehört schlechte Bezahlung doch offenbar zum System. *

    Da geht es um Profitkämpfe. Mit der Ausbeutung von Menschen und auf Kosten des Tierwohls will man exorbitante Gewinne erzielen. Es ärgert mich, wenn einige so tun, als seien sie erst durch die Corona-Ausbrüche bei Tönnies oder Westfleisch darauf aufmerksam geworden, unter welchen Bedingungen in den Schlachtbetrieben produziert wird. Das ist scheinheilig, die Missstände sind seit Jahren bekannt.
    ..."
    https://www.freitag.de/autoren/martina-mescher/das-ist-scheinheilig

  • #11

    Volker (Freitag, 03 Juli 2020 15:45)

    Die armen Tiere:

    "Stillstand bei Tönnies verursacht gravierende Platzprobleme in Ställen
    Zu viele und zu dicke Schweine
    Für die Landwirte in Deutschland und vor allem in Nordrhein-Westfalen wird die Lage wegen der anhaltenden Schließung des Tönnies-Schlachtbetriebes in Rheda-Wiedenbrück immer kritischer. Nach Angaben von Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Bauernverbandes und selbst Inhaber eines Schweine haltenden Betriebs in Hövelhof im Kreis Paderborn, ist inzwischen bei 150.000 Schweinen das geplante Schlachtdatum überschritten. Mit jeder Woche, in der der Betrieb bei Tönnies in Rheda ruhe, kämen weitere 70.000 Tiere hinzu.
    ...
    „Unsere Lage wird jeden Tag kritischer“, erklärte Beringmeier am Donnerstag. Klar habe die Gesundheit der Mitarbeiter in den Schlachthöfen und allgemein der Bevölkerung Vorrang. Trotzdem dürften Entscheidungen nicht einfach auf die lange Bank geschoben werden. Beringmeier: „Es ist keine Frage, dass das schrittweise Wiederanlaufen der Schlachtbetriebe mit Auflagen verbunden sein muss.“ Diese müssten aber von den Politikern und Behörden zügig formuliert werden, damit die Betriebe sie auch umsetzen könnten. Aus Verantwortung für Mensch und Tier müssten endlich die wachsenden Platzprobleme in der heimischen Tierhaltung in den Blick genommen werden."

    Schön, dass Beringmeier den fehlenden Platz für die Schweine anspricht. Dieses Problem wird ja im Beitrag von Mattes eindrucksvoll geschildert. Ob Herr B. aber d a s im Auge hat ...?

  • #12

    Rita (Samstag, 04 Juli 2020 10:57)

    Angemessen?

    "Protest-Aktion am Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück

    Die Aktion verläuft nach Angaben der Polizei friedlich. Einige Aktivisten hatten am Morgen das Dach des Werkes erklommen. Eine Kundgebung soll um 11.30 Uhr beginnen.
    ...
    ie Aktivisten hätten am frühen Samstagmorgen das Dach des Schlachthofes erklommen sowie die Hauptzufahrtsstraße blockiert, erklärte das Bündnis. Die Polizei in Bielefeld bestätigte gegenüber nw.de einen Einsatz an dem Werk. "Wir sind mit Kräften vor Ort, alles verläuft bisher friedlich", sagte ein Sprecher am Morgen.
    ...
    Das Bündnis forderte eine dauerhafte Schließung des Schlachthofes, der wegen eines massiven Corona-Ausbruchs in die Schlagzeilen geraten war und die generelle Abschaffung der Tierindustrie. Die Teilnehmer entrollten ein Transparent mit der Aufschrift "Shut down Tierindustrie" vom Dach des Werkes.
    ...
    „Wir sind noch mitten in der Pandemie", sagt Isa Suhr vom Bündnis. „Um Arbeiter und Anwohner zu schützen, muss der Schlachthof dauerhaft geschlossen bleiben." Die Situation der Arbeiter sei bereits vor der Corona-Krise unerträglich gewesen, so Suhr. Jetzt sei der Moment, die Industrie zu beenden." Aktivistin Maya Keller ergänzt: "Das kapitalistische Wirtschaftssystem macht wenige Menschen reich und fügt vielen enormen Schaden zu."
    ..
    https://www.nw.de/lokal/kreis_guetersloh/rheda_wiedenbrueck/22818390_Aktivisten-besetzen-Toennies-Schlachthof-in-Rheda-Wiedenbrueck.html."

  • #13

    Reiner (Sonntag, 05 Juli 2020 07:47)

    Laissez-faire oder Eingreifen?

    "Doch: Wäre Einfluss zu nehmen nicht die Aufgabe von Politik? Zu gestalten, zu entscheiden, was Unternehmen hierzulande erlaubt sein soll und was verboten? Tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass die Zeit der Altmaier’schen Enthaltsamkeit vorbei ist. Nehmen wir die Fleischindustrie: Auch hier wollte die Bundesregierung lange keinen Einfluss nehmen. Noch 2015 – die erbärmlichen Bedingungen für Mensch und Tier waren längst bekannt – ließ sich der damalige Wirtschaftsminister, ein gewisser Sigmar Gabriel, von Tönnies einwickeln. Er besuchte eine Fleischfabrik und sagte darauf: Der Tönnies-Konzern, quasi der Mercedes der deutschen Schlachthöfe, werde Missstände von allein abstellen. Mehr könne man nicht tun.

    Geändert hat sich seitdem fast nichts. Doch auf einmal sind nicht mehr nur Werkvertragsarbeiter aus Rumänien und Moldawien und zu verwurstende Schweine betroffen, sondern die ganze Republik. Jetzt sollen Subunternehmer rausfliegen und Werkverträge verboten werden: Die Pandemie macht möglich, wobei die Politik versagt hat. Tatsächlich war deren Nichteingreifen ja immer schon mehr als nur passives Zugucken: In Wahrheit handelt es sich um eine Form staatlicher Unterlassung, die Missstände erst ermöglicht."
    https://www.freitag.de/autoren/pep/vater-staat-schlaeft

  • #14

    Meinhard (Mittwoch, 08 Juli 2020 14:25)

    Da ist, finde ich, was dran:

    "... Wir dürfen nicht länger so tun, als handele es sich bei den Schmerzensschreien von Tieren um das Knarzen von Maschinen. Schweine sind soziale, leidfähige und sensible Wesen, denen ein Grundrecht auf ein schmerzfreies und artgerechtes Leben zusteht. Es gibt keinen ethisch vertretbaren Grund, ausgerechnet den zum Schlachten gezüchteten Tieren dieses Grundrecht zu verwehren.

    Und da haben wir über die unwürdigen, gesundheitsschädlichen und allzu oft schwer traumatisierenden Bedingungen, unter denen Menschen in Fleischfabriken arbeiten müssen, noch gar nicht geredet. ...

    Denn das Allheilmittel gegen die legalisierte Tierquälerei sehen manche Parteigänger der Grünen und der ein oder andere Klima-Bewegte in einer drastischen Erhöhung der Fleischpreise. Das würde aber den Rückfall in feudale Zeiten bedeuten, in denen der Pöbel seinen Kanten Brot zu fressen hatte, derweil die Eliten es sich an der reich gedeckten Tafel im herrschaftlichen Palast beim Spanferkelfest bequem machten. ...

    Bei allen Fragen des Tierschutzes geht es also auch um die Frage nach Eigentum und Einkommensverteilung. Wer die Massentierhaltung beenden will, muss in einem Atemzug fordern, dass der Mindestlohn erheblich steigt und das Massendemütigungsinstrument namens Hartz IV endlich durch eine menschenwürdige Mindestsicherung ohne Lohnarbeitszwang ersetzt wird. Im besten Fall wäre es sogar eine Möglichkeit, die vielen Konzepte der Wirtschaftsdemokratie gleich mal in der Fleischindustrie zu testen. ..."
    https://www.freitag.de/autoren/cbaron/wo-bleibt-der-aufschrei

  • #15

    Rolf (Samstag, 11 Juli 2020 11:47)

    Informationen aus erstr Hand:

    "Tönnies-Werkvertragsarbeiter packen aus: "Wir waren ständig in Gefahr"

    Zwei polnische Werkvertragsarbeiter erzählen von Erfahrungen hinter den Mauern des Tönnies-Fleischkonzerns. "Kaum einer schafft es ein Jahr." Während der Corona-Krise sei alles noch schlimmer geworden. ...

    Rheda-Wiedenbrück. Sie sind sehr traurig, ungehalten und unzufrieden. Und sie fühlen sich betrogen. "Wir wurden vorsätzlich in diese Situation gebracht", sagen S. Nowak und A. Kowalski (Namen von der Redaktion geändert). Sie arbeiten seit mehreren Jahren im Fleischwerk Tönnies und sind seit 20. Juni in Quarantäne. Wie lang die noch dauert, wissen die Polen nicht. Inzwischen wurden sie fünf Mal auf eine Corona-Infizierung getestet. Kowalski und Nowak haben verschiedene Abteilungen in dem Konzern durchlaufen. Sie kennen die Zerlegung, ..."
    https://www.nw.de/lokal/kreis_guetersloh/rheda_wiedenbrueck/22821985_Wir-waren-staendig-in-Gefahr.html

  • #16

    Werner (Sonntag, 12 Juli 2020 07:42)

    Auch das ist doch mal interessant:

    "Wie reich ist Clemens Tönnies?

    Clemens Tönnies ist einer von Deutschlands bekanntesten Sportfunktionären und war von 2001 – 2020 Vorstandsvorsitzender beim Bundesliga-Fußballverein Schalke 04. Darüber hinaus ist Clemens Tönnies aber auch und vor allem ein erfolgreicher Unternehmer und einer der reichsten Deutschen. Ebenso zählt der Deutsche zu den reichsten Menschen der Welt. Das geschätzte Vermögen von Clemens Tönnies beträgt 2 Milliarden Euro. ..."
    https://www.vermoegenmagazin.de/clemens-toennies-vermoegen/

  • #17

    Karl II. (Sonntag, 12 Juli 2020 07:50)

    Es greift zu kurz, nur auf Tönnies einzuschlagen:

    "Warum dürfen sich kriminelle Multimillionäre auf Kosten ihrer Arbeiter bereichern? Das Geld, das diese Leute verdienen, gehöre in die Taschen der Arbeiter, die das Geld erwirtschaften, fordert der SWR-Journalist Adrian Peter.

    Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Stephanie Töwe prangert "Tierleid, Ausbeutung und unhygienische Zustände" an, als extreme Folgen der Billigfleisch-Industrie. Sahra Wagenknecht hingegen sieht in der Ausbeutung eher die Ursache der Missstände. "Die miesen Arbeitsverhältnisse ermöglichen es, Tönnies & Co. trotz der Billigpreise zu Multimilliardären zu werden", erklärt sie in einem Statement vom 25.6.2020.

    Im Rahmen der herrschenden Verwertungslogik hängen Ausbeutung von Mensch und Tier und Billig-Fleisch eng miteinander zusammen. Am Tierwohl lässt sich nichts verdienen, und ethische Bedenken bremsen das Hamsterrad der Gewinnmaximierung nur unnötig aus. In dem komplexen System des Produzierens und Konsumierens, in dem immer mehr künstliche Bedürfnisse erzeugt und unliebsame Konkurrenten ausgeschaltet werden, kann es auch nicht den einen Schuldigen geben.

    Somit steht T ö n n i e s n u r s t e l l v e r t r e t e n d für eine ganze Industrie innerhalb der spätkapitalistischen Konsumgesellschaft. Vor diesem Hintergrund wird ein höherer Preis für Fleisch alleine die Verhältnisse nicht ändern."
    https://www.heise.de/tp/features/Rueckstau-in-der-Schweinezucht-4840927.html

  • #18

    Seppl (Sonntag, 12 Juli 2020 07:54)

    Greenpeace zu dem Thema:

    "„Die Supermarktketten dürfen ihre Marktmacht nicht länger missbrauchen, um rücksichtsloses Preisdumping auf Kosten von Landwirten, Tieren, Umwelt und Klima durchzusetzen“, sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann „Edeka, Aldi und Co. müssen endlich aufhören, Fleisch zu verramschen.“ Greenpeace fordert den Handel auf, das Fleisch der niedrigsten zwei Haltungsformen aus den Regalen zu nehmen. Zugleich brauchen die Erzeuger aus der Landwirtschaft langfristige Abnahmegarantien des Handels, um ihre Haltung so umzustellen, dass sie das Angebot an Fleisch aus den b e s s e r e n H a l t u n g s f o r m e n 3 und 4 aufstocken können (LINK: Überblick Fleisch-Kennzeichnung).
    ...
    Und bislang machen Fleischprodukte der Kategorien 3 und 4, die eine tiergerechte Haltung kennzeichnen, nur ein verschwindend kleiner Teil des Angebots in den Truhen der Märkte aus. Einer aktuellen Abfrage von Greenpeace beim Handel zufolge stammen im Schnitt 8 8 P r o z e n t der Frischfleisch-Eigenmarken in Supermärkten aus qualvoller, häufig gesetzeswidriger Haltung."
    https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/billigfleisch-kostet-zukunft

  • #19

    Fritz (Sonntag, 12 Juli 2020 07:56)

    Alles klar. Dann müssen aber auch Mindestlohn, Hartz-IV-Sätze und kleine Renten erhöht werden! Ein ökologischer und tiergerechter Umbau wird eh nur möglich sein, wenn wir viele Menschen dafür gewinnen - auch die, die sozial schlechter gestellt sind. Diese Dinge hängen eben alle zusammen, und die verschiedenen Bewegungen sollten zusammen und nicht gegeneinander arbeiten.

  • #20

    Rudolf (Dienstag, 14 Juli 2020 13:34)

    Jens Berger auf den Nachdenkseiten: Nicht der Verbraucher trägt die Schuld

    "...Doch wer trägt dann die Verantwortung? So groß die politische Aufregung über Tönnies ist, so klar muss man festhalten, dass Tönnies offenbar gegen keine Gesetze und Vorschriften verstoßen hat. Im Gegenteil. Die Politik hat vielmehr über die Jahre hinweg die Gesetze und Vorschriften genau so ausgeweitet, dass das “System Tönnies” im legalen Bereich Profite erwirtschaften kann. Nicht alles, was legal ist, ist auch rechtens. Aber an die gesellschaftliche Verantwortung eines Schweinebarons zu appellieren, ist ungefähr so sinnvoll, wie einem Kater Vorträge über das Mäusewohl zu halten. Und Tönnies ist ja nur die Spitze des Eisbergs und allenfalls ein Symptom und nicht die Ursache.

    Wir sollten uns daher so schnell wie möglich vom Gedanken verabschieden, dass der Markt schon dafür sorgt, dass irgendwann einmal ethisch und ökologisch einwandfreie Produkte in unseren Einkaufswagen landen. Das Interesse des Wolfes ist es, sich den Bauch vollzuschlagen. Das Wohl der Lämmer spielt für ihn keine Rolle. Genauso ist es das Interesse eines Konzerns, Gewinne zu erwirtschaften. Tönnies, Nestlé oder KiK sind schließlich keine dem Gemeinwohl verpflichteten Genossenschaften, sondern lupenreine Renditemaschinen, in deren Gewinn- und Verlustrechnung für Ethik und Moral kein Platz ist. Hier ist der Gesetzgeber gefragt. Wer sich weigert, strengere Gesetze zu verabschieden, und die Verantwortung stattdessen auf den Verbraucher schiebt, handelt unlauter und ganz im Sinne der Konzerne, die genau wissen, dass der Verbraucher weder gewillt noch in der Lage ist, wirklich kritisch und mündig zu sein."
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=62910

  • #21

    Hennes (Dienstag, 14 Juli 2020 14:01)

    Man hört kaum etwas von den Tönnies-Arbeitern, den Bulgaren, Rumänen, Polen ...

    Hier ein Artikel, der über sie berichtet: https://taz.de/Toennies-Beschaeftigte-in-Quarantaene/!5694553/

    Z.B.:

    "Wenn Marek von DSI (Subunternehmer, Hennes) erzählt, sagt er: „Das ist legaler Menschenhandel.“

    Er habe bei Tönnies zentnerschwere Kisten auf ein Fließband geleert, mal neun Stunden, mal elf. „In meiner Schicht werden hauptsächlich Innereien verarbeitet“, sagt er. „Du nimmst eine Kiste, und du wirfst sie aufs Band. Alles ist voller Blut. Manchmal bin ich komplett nass gespritzt, da helfen auch die Plastikschürzen nichts.“ Kiste links, dann das Band, rechts der Fleischwolf – Marek baut seinen Arbeitsplatz mit den Händen in der Luft nach, während er erzählt.

    Kiste, dafür nutzen die Polen bei Tönnies ein deutsches Wort. Sie sagen: Kista. 40 Tonnen hieve er pro Schicht aufs Band. „Alles geht auf Tempo.“ Wer es nicht schaffe, könne einpacken.

    Wie viele andere Arbeiter lebt Marek in einem geschlossenen System. Mitarbeiter von DSI überwachen die Arbeit im Werk, sie notieren Stunden und Strafen – und sie stellen die Unterkunft. Das ist nicht per se illegal, aber es führt zu Abhängigkeit.

    Die Miete und alle anderen Kosten werden direkt vom Lohn abgezogen. Am Ende des Monats bleiben den Arbeitern oft nicht viel mehr als 1.000 Euro, auch wenn sie sechs Tage die Woche arbeiten.

    „Die Miete kostet über 100 Euro im Monat“, sagt Marek. „Aber wir haben unterschrieben, dass sie für jeden Krankheitstag 10 Euro einbehalten dürfen.“ Ein Vertrag, der bis April 2020 lief und uns vorliegt, bestätigt Mareks Aussage.

    Wer unentschuldigt fehle, zahle 100 Euro Strafe pro Tag. So sagen es mehrere Mitarbeiter. Ein Arbeiter erzählt, dass dann ein DSI-Angestellter in die Unterkunft käme, mit einem Steckbrief, ein A4-Papier mit ausgedrucktem Foto. Die Arbeiter nennen diese Angestellten „Jagdhunde“. Man werde ausgeschimpft und nach den Gründen befragt. In einer aktuellen Lohnabrechnung finden wir den Posten „Abzug-Abmahnung“. Es sind 100 Euro. (...)"

  • #22

    Mattes (Samstag, 18 Juli 2020 17:03)

    Kein besserer Tod für BIO-Tiere - und: Tönnies ist Marktführer unter den BIO-Schlachtern in Deutschland:

    "Gleiche Schlachthöfe, gleiche Bedingungen

    Oft enden Tiere aus ökologischer und konventioneller Landwirtschaft daher in den gleichen großen Schlachthöfen. Auch Tönnies schlachtet Bio-Fleisch und ist, einem Bericht der "Welt" zufolge, sogar Marktführer unter den Bioschlachtern in Deutschland. Ein Sprecher des Unternehmens sagte der "Welt": "Bio ist keine Frage der Schlachtung und Verarbeitung, sondern der Tierhaltung." Der Verband für Fleischwirtschaft bestätigte t-online.de, grundsätzlich würden bei der Schlachtung für beide Haltungsformen hinsichtlich Tierschutzes und Fleischhygiene die gleichen Anforderungen gelten. ..."
    https://www.t-online.de/leben/essen-und-trinken/id_88233802/fleisch-debatte-wie-stirbt-eigentlich-ein-bio-rind-.html

  • #23

    Rolfi (Dienstag, 21 Juli 2020 15:00)

    Auch das gehört scheinbar irgendwie dazu:

    "Dem Deutschen Tierschutzbüro ist laut eigenen Angaben Bildmaterial (aus der vergangenen Woche) aus einer Schweinemast in Rheda-Wiedenbrück zugespielt worden. Laut einem Medienbericht und telefonischer Auskunft des Betreibers, würden die Schweine bei Tönnies geschlachtet, heißt es in einer Mitteilung des Büros. Die Zustände in der angezeigten Mastanlage, in der etwa 1.000 Schweine gehalten würden, seien grausam. „Unzählige Schwänze und Ohren sind blutig gebissen, hier müsste der Mäster einschreiten, das tut er aber scheinbar nicht", sagt Denise Weber, Pressesprecherin vom Deutschen Tierschutzbüro.

    In einer Szene würde man ein hervorstehendes, blutiges und stark geschwollenes Auge sehen - das Schwein sei vermutlich auf diesem Auge blind. In einer anderen Szene sei eine unbehandelter, Tennisball großer Abszess an einem Ohr zu sehen. „Solche gravierenden Verletzungen und Entzündungen passieren nicht über Nacht, hier scheint der Mäster seiner Fürsorge und Verantwortung nicht nachgekommen zu sein", sagt Weber weiter. Das zeige sich auch an den hygienischen Zuständen, in einigen Bereichen der Mastanlage drücke die Gülle durch die Spaltenböden nach oben. ..."
    https://www.nw.de/lokal/kreis_guetersloh/guetersloh/22711388_Newsblog-zum-Coronavirus-Entwicklungen-im-Kreis-Guetersloh-auf-einen-Blick.html

  • #24

    Friedel (Mittwoch, 22 Juli 2020 14:32)

    "Keine Frage: Wenn das Kilo Schweinesteak vier Euro kostet, man für 14 Euro nach Malle fliegen und sich bei Primark für 30 Euro von Kopf bis Fuß einkleiden kann, dann zahlt jemand anders drauf. Nämlich Arbeiterinnen und Arbeiter, Tiere, Natur und Klima. Doch die Forderung nach höheren Preisen ist Ausdruck einer moralischen Empörung, die die Verantwortung auf Konsumentinnen und Konsumenten abschiebt, die es angeblich so billig wollen. Dabei sind niedrige Preise politisch erwünscht und gestützt. Wenn Produkte, besonders Lebensmittel, wenig kosten, dann müssen weder Löhne noch Renten und Hartz IV erhöht werden. Damit sichert Deutschland seinen Exportvorteil auf Kosten anderer Länder und ermöglicht es gleichzeitig den Armen, zu konsumieren.
    ...
    Es waren Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Julia Klöckner, die trotz Corona-Pandemie per Sondergenehmigung 80.000 rumänische Erntehelferinnen und -helfer nach Deutschland holen ließen. Billige Arbeiterinnen und Arbeiter wiederum brauchen billige Nahrung. Schlechte Arbeit macht Menschen krank, doch die kostenlose Fürsorge obliegt meist den Frauen. Für all das braucht es billige Leben, nämlich die Entwertung von Natur, Tieren und Menschen.
    ...
    Höhere Preise oder eine „Fleischabgabe“ am Ende einer langen Kette von Leid und Zerstörung werden dieses System nicht ändern. Selbstverständlich aber geht es anders, gerade in der Landwirtschaft. Etwa mit dem Konzept der Ernährungssouveränität, für das weltweit Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern kämpfen. ..."
    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/kein-billig-kotelett-ist-auch-keine-loesung

  • #25

    Hansi (Donnerstag, 06 August 2020 10:59)

    Es lohnt, hier mal ein Auge drauf zu werfen:

    "Faktencheck: Werkverträge und Leiharbeit in der Fleischindustrie
    Warum die Argumente der Arbeitgeber nicht ziehen

    Die Fleischindustrie wird aus Deutschland abwandern? Die Beschäftigten wollen gar nicht fest angestellt werden, sondern flexibel arbeiten und schnell Geld verdienen? Und überhaupt ist der Verbraucher Schuld an den schlechten Arbeitsbedingungen, weil er billiges Fleisch kaufen will? Zehn Argumente der Arbeitgeber gegen ein Verbot von Leiharbeit und Werkverträgen in der Fleischwirtschaft auf dem Prüfstand. ..."
    https://www.dgb.de/themen/++co++2cca802e-d65b-11ea-a2d9-001a4a160123

  • #26

    Karli (Dienstag, 11 August 2020 05:38)

    "Der Fleisch-Magnat Clemens Tönnies fordert 40.000 Euro Schadensersatz von Aktivistinnen und Aktivisten wegen einer Schlachthofblockade in Kellinghusen im Oktober 2019. Das Bündnis »Gemeinsam gegen die Tierindustrie« unterstützt die Betroffenen und ruft zu einer Demonstration gegen Tönnies am 29. August in der Ortschaft in Schleswig-Holstein auf. Die Aktivisten und ihre Unterstützer erwarten zeitnah einen Schadenersatzprozess.

    »Das Geschäftsmodell von Konzernen wie Tönnies beruht auf Tierleid, Naturzerstörung und Ausbeutung«, wird Bündnis-Vertreterin Katja Suhr in einer am Montag verbreiteten Pressemitteilung zitiert. »Während Tönnies für all die vom Unternehmen verursachten Schäden nicht aufkommen muss, sollen jetzt diejenigen bezahlen, die die tödliche Maschinerie für ein paar Stunden unterbrochen haben«, so Suhr. Die Aktivisten fordern die Enteignung der Fleischkonzerne und die sofortige Umstellung auf eine ökologische und solidarische Produktion von Nahrungsmitteln."
    https://www.jungewelt.de/artikel/384445.schlachthofblockade-t%C3%B6nnies-fordert-schadensersatz.html

  • #27

    Fritz (Mittwoch, 19 August 2020 10:33)

    Aus Zeitgründen nur der Link: https://gewerkschaftsforum.de/8918-2/
    Keine Werkvertrags- und Leiharbeit mehr in der Fleischindustrie? Der Gesetzentwurf von Arbeitsminister Heil lässt alle wichtigen Fragen offen

  • #28

    Johnny (Sonntag, 23 August 2020 15:44)

    In den USA scheint es nicht besser zu sein als hier bei uns. Die italienisch-amerikanische Philosophin und Aktivistin Silvia Federici im Interview mit der Wochenzeitung "der Freitag":

    FRAGE:
    "Hier und anderswo zeigt sich, wie besonders in der Fleischindustrie die Gesundheit der Angestellten aufs Spiel gesetzt wird."

    ANTWORT:
    "Es ist in den USA exakt dasselbe. Die Fleischindustrie wurde als systemrelevant eingestuft. Ich habe recherchiert, was dort vor sich geht. Viele Tiere kommen in die Schlachtbetriebe, ohne jemals auf ihren Beinen gestanden zu haben. Ihre Knochenstruktur ist zu schwach, um das ganze Fett zu tragen. Hühner werden dazu gebracht, mehr Eier zu legen, indem das Licht im Stall die ganze Nacht brennt. Sauen gebären heute doppelt so viele Ferkel wie in der Vergangenheit. Es ist barbarisch, unmenschlich. Es ist dumm, zu denken, das sind ja bloß Tiere. Es gibt Kontinuitäten dazwischen, wie wir Tiere behandeln – wir wissen ja, dass sie leiden, dass sie empfindsame Wesen sind – und unserem Verhältnis zu anderen Menschen. Gott behüte, dass die Amerikaner kein Steak bekommen. Menschen müssen sterben dafür, weil sie zur Arbeit gehen müssen. Das zeigt, dass manche Menschen aus Sicht des politischen und gesellschaftlichen Systems entbehrlich sind."
    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/auch-fuer-weisse

  • #29

    Rita (Mittwoch, 26 August 2020 10:35)

    Das Drama geht weiter:

    "Vor Kurzem hat das Deutsche Tierschutzbüro Bildmaterial aus einem Tönnies-Zulieferbetrieb in Rheda-Wiedenbrück veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigten katastrophale Zustände in einer Schweinemast, in der 1000 Tiere gehalten werden. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.
    ...
    Viele der Schweine litten an Verletzungen, die ganz offensichtlich nicht behandelt wurden. "Unzählige Schwänze und Ohren waren blutig gebissen, hier hätte der Mäster einschreiten müssen, dies tat er aber nicht", kritisiert Denise Weber, Pressesprecherin vom Deutschen Tierschutzbüro.
    Schockierende Bilder

    In einer Szene auf dem Video sieht man ein hervorstehendes, blutiges und stark geschwollenes Auge, das Schwein ist vermutlich auf diesem Auge erblindet. In einer anderen Szene sieht man einen unbehandelten, tennisballgroßen Abszess an einem Ohr. "Solche gravierenden Verletzungen und Entzündungen passieren nicht über Nacht, hier scheint der Mäster seiner Fürsorge und Verantwortung nicht nachgekommen zu sein", sagt Weber. Das habe sich auch an den hygienischen Zuständen gezeigt, in einigen Bereichen der Mastanlage drückte die Gülle durch die Spaltenböden nach oben.

    Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der pensionierte Universitätsprofessor Dr. Siegfried Ueberschär in einem Kurz-Gutachten. ..."
    https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Guetersloh/Rheda-Wiedenbrueck/4257604-Rheda-Wiedenbrueck-Ermittlungen-gegen-Schweinemastbetrieb

  • #30

    Manni (Donnerstag, 17 September 2020 11:06)

    Elend ohne Ende:

    "Schock-Bilder aus Schweinemast: Kritik an Tönnies-Zulieferer in Niedersachsen

    Erneut steht ein Tönnies-Zulieferer in der Kritik. Er soll kranke und verletzte Tiere nicht behandelt haben. Das Tierschutzbüro veröffentlicht Undercover-Fotos. Die Staatsanwaltschaft ist informiert.
    17.09.2020 | Stand 17.09.2020, 09:34 Uhr

    Rheda-Wiedenbrück/Sögel. Das Deutsche Tierschutzbüro e.V. hat am Mittwochabend zusammen mit RTL Stern TV Bildmaterial aus der wohl größten Schweinemast in Niedersachsen veröffentlicht. Laut dem Tierschutzbüro handelt es sich um einen Zulieferer der Firma Tönnies in Sögel, der kranke und verletzte Tiere nicht behandel ließ.

    Die Rede ist von "blutigen Verletzungen, riesigen Tumoren und Abszessen". Tierschutzbüro-Vorsstandsvorsitzender Jan Pfeifer kritisiert: "Viele der Tiere müssen dringend tierärztlich behandelt werden. Ganz offensichtlich kommt der Betreiber seiner Fürsorgepflicht hier nicht nach und lässt die Schweine einfach leiden." ..."
    https://www.nw.de/lokal/kreis_guetersloh/rheda_wiedenbrueck/22863165_Schock-Bilder-aus-Schweinemast-Kritik-an-Toennies-Zulieferer-in-Niedersachsen.html

  • #31

    Markux (Mittwoch, 25 November 2020 10:31)

    Hier gehört mal wieder ein Kommentar hin:

    "Die Polizei, die in der städtischen Öffentlichkeit Deutschlands mit hoher Präzision das Abstandsgebot in Parks, Straßen, Spielplätzen und Geschäften kontrolliert und Bußgelder verhängt – sie kam in keinen Schlachtbetrieb. Ebenso der Zoll, die Gewerbeaufsicht (zuständig für die Arbeitssicherheit), die Gesundheitsämter – keiner kam. Keine aus dem Dutzend für Arbeitsrechte zuständigen EU-Agenturen kam: Sie kümmerten sich vielmehr darum, dass auch unter Corona-Bedingungen die Arbeitsmigration weiterging: Nicht nur in der Fleischindustrie, sondern auch beim Bau, im Speditionsgewerbe, in der privaten Altenpflege, in der Saisonarbeit der Landwirtschaft. Gewerkschaften mussten z.B. gegen die Gesundheitsgefährdung in den US- und auch europäischen Fullfillment Centers von Amazon streiken, um ein Minimum an Gesundheitsschutz zu bekommen – keine nationale oder EU-Arbeitsschutz-Agentur schritt ein.

    Werner Rügemer: Imperium EU – ArbeitsUnrecht, Krise, neue Gegenwehr. Papyrossa Verlag Köln 2020, 320 Seiten, 19,90 Euro" (https://www.nachdenkseiten.de/?p=67305)

  • #32

    Dafelltmichnixmehrein (Donnerstag, 17 Dezember 2020)

    "Kreis Gütersloh Vorwurf schwere Tierquälerei: Schweinemäster kommt ohne Verhör davon

    Nach den Schockbildern aus einem Schweinemastbetrieb in Rheda-Wiedenbrück stellt die Staatsanwaltschaft Bielefeld das Verfahren ein. Das Deutsche Tierschutzbüro ist empört und legt Beschwerde ein.
    (...)
    17.12.2020 (...)

    Kreis Gütersloh. Im Juli 2020 hat das Deutsche Tierschutzbüro Bildmaterial aus einem Tönnies-Zulieferbetrieb in Rheda-Wiedenbrück veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigten katastrophale Zustände in einer Schweinemast, in der ca. 1.000 Tiere gehalten werden. Viele der Schweine litten an Verletzungen, die ganz offensichtlich nicht behandelt wurden. „Unzählige Schwänze und Ohren waren blutig gebissen. Hier hätte der Mäster einschreiten müssen, dies tat er aber nicht" kritisiert Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Tierschutzbüro..."
    https://www.nw.de/lokal/kreis_guetersloh/guetersloh/22919536_Vorwurf-schwere-Tierquaelerei-Schweinemaester-kommt-ohne-Verhoer-davon.html

  • #33

    Rudi (Donnerstag, 04 Februar 2021 06:57)

    "(...) Differenzierter setzt sich der Brancheninfodienst Biohandel mit der aktuellen Entwicklung auseinander: In einem am 30. Dezember 2020 veröffentlichten Jahresrückblick heißt es, dass auch Biofleisch im zurückliegenden Jahr unter prekären Arbeitsbedingungen in Coronahotspotbetrieben produziert worden sein könnte, da sich das als großer Ausbeuter bekannt gewordene Unternehmen Tönnies als »Deutschlands größter Bioschlachtbetrieb« bezeichne."
    https://www.jungewelt.de/artikel/395752.nahrungsmittelindustrie-bio-m%C3%B6glichst-billig.html

  • #34

    Organisiert euch! (Freitag, 30 April 2021 06:40)

    "Es rumort in vielen Branchen hierzulande. In der Metall- und Elektroindustrie, im Einzelhandel, in der Pflege sowieso. Der Befund ist eindeutig: Kapitalismus heißt Krise – die Lasten tragen Beschäftigte. Exemplarisch dafür steht gleichfalls die Fleischwirtschaft.

    Der Protest schien dort lange Zeit aussichtslos, die Macht der Magnaten zu groß. Etwa 160.000 Beschäftigte der deutschen Fleischwirtschaft waren jahrzehntelang nahezu rechtlos, galten gewerkschaftlich als unorganisierbar. Viele von ihnen sind Migranten, wurden als Leiharbeiter in lausigen Massenbuden zusammengepfercht, als Manövriermasse hin- und hergehetzt, zudem mies bezahlt und beim kleinsten Aufmucken nach Hause geschickt.

    Vieles davon ist heute noch so, einiges hat sich geändert. Aber nur, weil Betroffene mit Unterstützern gegen diese Zustände gekämpft haben. Seit Januar bzw. April dieses Jahres sind Leiharbeit und Werkverträge verboten. Beschäftigte müssen direkt beim Schlachtbetrieb angestellt sein. So verlangt es das sogenannte Arbeitsschutzkontrollgesetz. Lücken im System indes bleiben, logisch. Unternehmensgesellschaften mit weniger als 50 Arbeitern können weiterhin Leiharbeiter einstellen.

    Nach den massenhaften Virusinfektionen bei Werksangehörigen Mitte 2020 gerieten die Schlachtriesen Tönnies, Westfleisch und Vion unter Druck. Schlechte Presse schlägt irgendwann auf das Renommee. Die Fleischbosse sahen sich gezwungen, ihr ramponiertes Image ein wenig aufzupolieren, Arbeitsbedingungen wenigstens partiell zu verbessern. Freiwillig haben sie es nicht getan. Und sie versuchen längst die Uhr wieder zurückzudrehen. Arbeitstage von zwölf, 13, 14 Stunden darf es nicht mehr geben. Auf dem Papier zumindest. Dafür laufen nun die Bänder schneller, um in der Regelarbeitszeit das Doppelte an Arbeitsleistung herauszupressen, berichten Kollegen.

    Die Gegenwehr wird stabiler: An vorderster Front steht die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). In Kooperation mit dem DGB-Projekt »Faire Mobilität« organisiert sie Proteste der Belegschaften. Das nächste Ziel ist klar: Schluss mit der Billiglöhnerei. Dazu braucht es Tarifverträge, flächendeckend wirksame und allgemeinverbindliche. Die Barone Tönnies und Co. blockieren, behaupten, mit einem Einstiegslohn von 10,50 Euro brutto pro Arbeitsstunde sei die »wirtschaftliche Schmerzgrenze« erreicht. Es ist das typische Gejammer von Milliardären, die vom produzierten Mehrwert ihrer Malocher leben. Ende März erklärte der NGG-Verhandlungsführer Freddy Adjan die Tarifgespräche vorerst für beendet. Die Kapitalseite bekäme dafür »die Quittung«. Er hat Wort gehalten. Seit April wird seitens der NGG bundesweit in Schlachtbetrieben gestreikt, und sprachkundige Campaigner von »Faire Mobilität« flankieren die befristeten Ausstände mit Infoständen.
    ...
    Zugegeben, einfach ist die Organisierung nicht, noch ist Aufbauarbeit zu leisten. Viele der Streikwilligen seien weiterhin von den früheren Sub­unternehmern abhängig, die ihre damaligen Werkvertragsarbeiter bewusst falsch über ihre Rechte informierten, sagte Dominique John, Projektleiter von »Faire Mobilität«, im jW-Gespräch. »Diese Desinformationskampagne konnten wir aber Stück für Stück durchbrechen«, betonte John. Und auch sonst: Im Vergleich zum Vorjahr gebe es deutlich mehr Rückenwind, das Mobilisierungspotential werde spürbar größer. Das bestätigt auch Bohl von der NGG. »Wir gewinnen eine Menge neuer Mitglieder, gerade unter migrantischen Kollegen.« Proletarisch und internationalistisch, nur so kann es gehen. Oder anders ausgedrückt: Organisiert euch! Und das nicht nur in der Fleischbranche."


    https://www.jungewelt.de/beilage/art/401270